Sa 30.03.2019
Roman-Marathon

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Theater in der Reithalle, Schlossplatz 3
Beginn: 19 Uhr
Musikalische Umrahmung:
Birdelay – Jazz und Chanson

Preise:
Vorverkauf: 18 EUR
Abendkasse: 25 EUR
Schüler/Studenten: 10 EUR

Mercedes Lauenstein

Die 15-jährige Blanca ist des nomadenhaften Lebens ihrer hysterischen und in der Erziehung völlig überforderten Mutter überdrüssig und flieht nach einem heftigen Streit mit ihr nach Italien. Dort möchte sie auf einer abgelegenen Insel Karl, den ehemaligen Freund der Mutter, und dessen Sohn Toni besuchen, mit denen sie einst als kleines Kind die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hat. Auf ihrer turbulenten Reise und ihrer gleichzeitigen Suche nach Freiheit und Identität trifft sie immer wieder mit Menschen zusammen, die sie ausnutzen und die ihr helfen, sie stolpert in komische und traurige Situationen, stiehlt und wird bestohlen, erlebt Hunger, Durst und erste sexuelle Erfahrungen. Dabei wird Blanca ständig begleitet von der Frage, wie viel man vom Leben eigentlich erwarten kann.

„Blanca“ ist der Debütroman von Mercedes Lauenstein. Geboren 1988, lebt sie als Schriftstellerin und Journalistin in München und Italien. Seit 2009 schreibt sie Essays und Reportagen für verschiedene Zeitungen und Magazine. Für ihr erstes Buch, dem Erzählband „Nachts“ wurde sie 2016 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet.

Bildquelle: Juri Gottschalk

„Hier ist eine Erzählerin am Werk, die ihren Figuren auf den Grund gehen kann, die Fragen hat an das Leben.“
Sandra Hoffmann, Deutschlandfunk

Lukas Rietzschel

Manchmal erscheint ein Roman punktgenau: Kaum war der Lärm der Ausschreitungen in Chemnitz verklungen, als Lukas Rietzschels „Mit der Faust in die Welt schlagen“ überall besprochen wurde. Das Medien-Echo war verdient, geht es doch um einen – sicher nicht nur fiktiven – Testfall. Zwei Brüder wachsen in der Tristesse der sächsischen Provinz auf und schlagen gegensätzliche Wege ein: nach innen in die Nachdenklichkeit, nach außen in die Gewalt. Der junge Autor aus der Oberlausitz liefert keine Sozialreportage, keine Milieu-Theorie. Bedrückend und ausweglos erscheinen die kleinbürgerlichen Lebensverhältnisse. Aber erklärt das die Gewaltexzesse? Lukas Rietzschel behauptet jedenfalls selbstbewusst: „Die Literatur kann womöglich am ehesten beant­worten, warum zum Beispiel die Menschen in Dresden auf die Straße gehen.“

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen, lebt in Görlitz. 2012 erschien sein erster Text im „ZEIT Magazin“, danach folgten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. Für das Manuskript seines Romandebüts wurde er 2016 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet.

Bildquelle: Gerald von Foris

„Rietzschels Coming-of-Age-Story … ein genaues Porträt von Menschen hinter Ruinen, das ein ostdeutsches Lebens­gefühl einfängt, psychologisch und literarisch stimmig und lebendig.“
Marc Reichwein, Die Welt

Julia von Lucadou

In ihrer Dystopie entführt uns die junge Autorin in einen scheinbar perfekten Überwachungsstaat: Es gibt keine Privatsphäre mehr und das durch Leistungspunkte erworbene Ranking entscheidet über beruflichen Erfolg. In dieser Welt leben Riva – sie beschließt urplötzlich, nicht mehr zum Vergnügen von Millionen von Fans und für ihre lukrativen Sponsorenverträge mit ihrem „Flysuit“ von Hochhäusern zu springen – sowie die Wirtschaftsjournalistin Hitomi: Sie soll Riva wieder zum Springen bringen. Andernfalls würden beide im Ranking so tief fallen, dass sie aus der Stadt verbannt würden und in einem schmutzigen Randbezirk leben müssten. Julia von Lucadou schildert die komplexe Beziehung dieser beiden Frauen in einer durchorganisierten Klassengesellschaft in einer bemerkenswert kühlen und nüchternen Sprache.

Julia von Lucadou wurde 1982 in Heidelberg geboren und ist promovierte Filmwissenschaftlerin. Sie arbeitete als Regieassistentin, Redakteurin beim Fernsehen und als Simulationspatientin; sie lebt in Biel, New York und Köln. „Die Hochhauspringerin“ ist ihr erster Roman.

Bildquelle: Christian Werner

„Was Julia von Lucadous Roman so beeindruckend macht, ist die Genauigkeit, mit der sie diese hochglänzende, neue, aber keineswegs komplett fiktive Welt beschreibt.“
Kathleen Hildebrand, Süddeutsche Zeitung